Zahlenspiele

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(Vorneweg ein kleiner Hinweis in eigener Sache: Wir würden ja gerne mit Frau von der Leyen reden ..)

von Parse

Da immer wieder die Frage aufkommt, ob beim Kinderschutz gespart wird oder nicht, habe ich hier mal einige Statistiken aufbereitet, die den Kinder- und Jugendschutz betreffen.

Es ist schwierig zu spezifizieren, was genau dazu zu rechnen ist, darum habe ich die Kinder- und Jugendhilfestatistik als Grundlage genommen. Bezug nehmend auf die Definitionen des Statistischen Bundesamtes[1] habe ich Folgendes dazu gezählt: Ausgaben für Jugendarbeit, Jugendsozialarbeit, Förderung der Erziehung in der Familie, Hilfen zur Erziehung und sonstige Hilfen.

Bei den Einzelfallzahlen habe ich Folgendes berücksichtigt: Betreuung einzelner junger Menschen plus sozialpädagogische Familienhilfen (betreute Familien).

Begonnen habe ich mit dem Jahr 1992. Zahlen aus den Jahren davor sind nur bedingt miteinander vergleichbar, es gab wohl ein ziemliches Chaos nach der Ost-/West-Vereinigung und es hat etwas gedauert, ehe die Statistiker so in die „Puschen“ gekommen sind (dies ist kein Vorwurf, nur eine Erklärung).

Mittel für den Kinderschutz wie oben spezifiziert
In Milliarden Euro, gerundet[2]
Steigerung in % Fallzahlen wie oben angegeben am 31.12. des jeweiligen Jahres[3] Steigerung in %
1992 4,35 24166
1993 5,02 15,4 25095 3,84
1994 5,3 21,84 25131 3,99
1995 5,36 23,22 27477 13,7
1996 5,53 27,13 28682 18,69
1997 5,91 35,86 31978 32,33
1998 6,01 38,16 34010 40,73
1999 6,25 43,68 36961 52,95
2000 6,56 50,8 41537 71,88
2001 6,87 57,93 44543 84,32
2002 7,31 68,05 46873 93,96
2003 7,38 69,66 49654 93,96
2004 7,32 68,28 52253 116,23
2005 7,38 69,66 55825 131,01
2006 7,38 69,66 58212 140,88
2007 7,81 79,54 69223 186,4

Hier noch mal als Grafik:

Kinderschutzausgaben versus Fälle

Zusammenfassend kann man feststellen, dass sich in Deutschland immer mehr Kinder und Familien, die sich in Schwierigkeiten befinden, Hilfen erhalten, für die die Bereitstellung der finanziellen Mittel in den letzten 5 Jahren nicht wirklich gestiegen ist.

Dies kann mehrere Gründe haben.

  1. Es ist möglich, dass die Menschen in Deutschland gegenüber Kindern sensibler und aufmerksamer geworden sind, und darum Kindern resp. Familien eher und öfter geholfen werden konnte – dies will ich ausdrücklich positiv feststellen.
  2. Es ist möglich, dass sich die Notsituationen von Kindern resp. Familien tatsächlich größer geworden sind. Das kann viele Gründe haben – auf einen möchte ich besonders hinweisen.

Vorweg: mir ist bewusst, dass auch Kinder, die in Armut aufwachsen zu glücklichen Erwachsenen heranwachsen können, die ihre Zukunft aktiv gestalten können; so wie Kinder, die in Wohlstand leben, dieses Ziel verfehlen können. Aber auch das Bundesjugendkuratorium, ein Gremium, das gesetzlich dafür eingerichtet wurde, um den jeweils zuständigen Bundesminister zu beraten, zeigt sich besorgt über die Armutssituation der Kinder in Deutschland[4].

Wissenschaftliche Studien, besonders aus Amerika, zeigen, dass Kinder, um sich gut entwickeln zu können, ein zufriedenes und ausgeglichenes Herkunftsmilieu brauchen, materielle existenzielle Sicherheit, die Vermittlung von Zukunftsperspektiven durch die Erwachsenen. Solche Bedingungen fehlen aber in Familien, die von Armut betroffen sind. Die Folgen sind klar. Menschen, die schon von frühester Kindheit an keine Chance auf eine gute Zukunft haben, können den Glauben an die Gesellschaft verlieren.

Manche reagieren so, wie die beiden jungen Männer in München, die scheinbar ohne jedes Mitgefühl einen Mann zu Tode prügelten. Es wird zzt. in den Medien darüber berichtet, dass sie aus schwierigen Verhältnissen stammen – Hilfe gab es für sie nie. Dass der Betreuer des einen Jungen über diesen sagt, er sei eine verlorene Seele gewesen, zeigt nur die Hilflosigkeit dieses Betreuers.

Noch ein Vergleich:

Der o.a. Kinder- und Jugendschutz kostete im Jahr 2007 jeden Bundesbürger ca. 95,00 Euro. Das Konjunkturpaket II kostet jeden Bundesbürger ca. 121,00 Euro.

Manchmal bekommt man auch Antworten auf Fragen, die man nicht gestellt hat. Darum will ich jetzt noch eine andere Statistik einstellen. In letzter Zeit wird ja immer öfter betont, dass sehr viel für den Ausbau der Kinderbetreuung getan wurde – dies ist wahr. Aber wofür wird das Geld genau verwendet?

Jahr Ausgaben für Tageseinrichtungen für Kinder. In Milliarden Euro, gerundet Steigerung in % Pädagogisch tätige Personen in Kindertageseinrichtungen mit Leitungskräften[5] Steigerung in %
1998 9,89 332625
2002 10,95 10,71 346498 4,17
2006 11,8 19,31 352771 6,06

Hier noch mal als Grafik:

Ausgaben Tageseinrichtungen und qualifiziertes Personal

Das heißt zusammenfassend, während sich die bereitgestellten Mittel für Kindertageseinrichtungen in den Jahren zwischen 1998 und 2006 um ca. 20 % erhöhten, erhöhte sich die Anzahl des pädagogischen Personals (Vollzeitäquivalente) nur um ca. 6 %. Wo bleibt also das Geld – in den neuen Gebäuden? Sicherlich, Kinder brauchen auch gute Gebäude, aber wenn diese voll frustriertem, weil überarbeitetem Personal sind, ist das nicht förderlich für die Entwicklung von Kindern. Oder versickert es auf dem Weg zwischen Verwaltung, Trägern und Einrichtung?

Wie wichtig sind unserer Gesellschaft unsere Kinder?


Quellen:

[1] Definition „Kinder- und Jugendhilfe“ des Statistischen Bundesamtes

[2] 13. Kinder und Jugendbericht des Bundesministeriums für Familie, Senioren, Frauen und Jugend

[3] Statistisches Bundesamt: „Kinder- und Jugendhilfe in Deutschland – Ambulante erzieherische Hilfen“

[4] Bundesjugendkuratorium, Pressemitteilung: „Kinderarmut in Deutschland muss wirksam reduziert werden“

[5] Bundesministerium für Familie, Senioren, Frauen und Jugend: „Das Personal in Kindertageseinrichtungen: Entwicklungen und Herausforderungen“

6 Antworten zu “Zahlenspiele

  1. Frau von der Leyen spricht durchweg von Dingen, bei dene Fachleute eine andere Meinung haben als sie.
    Wenn in Deutschland immer mehr Hilfen bekommen, dann liegt das sicher auch an der Ansicht dieser Dame das Arbeitslose und Geringverdiener gewaltätige Alkoholiker sind, deren Kinder man im Auge behalten muss.
    Gleichzeitig tritt die Frau dafür ein, zwar Kinder zu bekommen, aber keine Verantwortung für deren Erziehung zu übernehmen, sondern sie Frühzeitig in Krippen abzugeben um sich selbst um die Karriere zu kümmern. Was wird aus Kindern die weniger Wert sind als der Job?

    Die Frage nach den Finanzen für pädagogisches Personal ist nicht wirklich weiter schwer zu beantworten. Spaßeshalber könnte man mal die Zahlen von Seniorenheimen daneben stellen.
    Die Lösung: 1€-Jobs und Praktikanten.
    Das Günstigste was es an Pwersonal zu bekommen gibt

  2. Unabhängig von Statistiken, denen ich grundsätzlich mit einem gesunden Misstrauen begegne: den steuernden Köpfen unserer Gesellschaft scheinen die Kinder weniger Wert zu sein als der direkte Profit! Schade, dass die gewählt wurden … man sollte bei der nächsten Wahl, auch auf kommunaler Ebene, das berücksichtigen.

  3. in wieweit ist den in den statistiken die inflation berücksichtigt worden. also sind das wirkliche ausgabensteigerungen oder eher einfach nur ein normaler inflationsausgleich?

    • Ich habe hier nur die „nackten“ Zahlen gegeneinander gestellt. Ich vertraue darauf, dass die Leser in der Lage sind, selber zu relativieren bzw. zu interpretieren. Aber wenn jemand die Ausgabensteigerungen mit dem Inflationsausgleich vergleichen will, bin ich dankbar über die Information.

  4. Schnuffel hat es schon angedeutet, es wäre hilfreich die zugrundeliegenden Kinderzahlen für die entsprechenden Altersklassen mit aufzuführen. Die Inflation kann sich jede/r selbst ausrechnen.

    • Leider sind solche dezidierten Statistiken nicht verfügbar und aus den verfügbaren Statistiken die Aufteilung in Altersklassen vorzunehmen, überschreitet meine zeitliche Kapazität – ich arbeite im Verein ausschließlich ehrenamtlich. Aber ich glaube, es ist verständlich geworden, was ich ausdrücken will.

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