Die Sperrlogik einmal angewendet auf Drogenproblematik

Die offizielle Webseite von MOGiS e.V. ist http://mogis-verein.de/

(Vorneweg ein kleiner Hinweis in eigener Sache: Wir würden ja gerne mit Frau von der Leyen reden ..)

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In der Unterhaltung, auch mit Sperrgegnern, fällt mir manchmal auf, dass im Moment ein etwas ungünstiges mentales Modell zu den Internetsperren vorherrscht: Dass nämlich die Stoppschilder quasi dem Zugriff auf die Webseiten „im Wege stehen“. Das ist so nicht der Fall.

Es ist eher so, dass man durch einen falsche Wegweiser  in eine Sackgasse geschickt wird, an deren Ende dann merkwürdigerweise ein Stopp-Schild aufgestellt wurde (wobei man eigentlich auch so schon nicht weiterkommen würde).

Ich möchte also folgendes Gedankliche Modell anbieten:

Mal angenommen, der Herr Ziercke vom BKA, hätte sich am 27.8.2008 nicht der Bekämpfung von Kinderpornographie, sondern der Bekämpfung des Rauschgifthandels verschrieben. Er hätte also gefordert, dass alle Telefonbuchverlage und -Auskünfte zur Sperrung von Telefonnummern, welche vom BKA auf einer gesonderten Sperrliste geführt würden, verpflichtet werden.

Wenn man nun also in der Auskunft nach Herrn Müller-Meier-Schmidt fragt (oder in einem Telefonbuch nachsieht) soll man dort nicht mehr seine Nummer finden, sondern die Nummer eines speziellen Sperrtelefons. Dieses Sperrtelefon ist an einen Anrufbeantworter angeschlossen, welcher in einer Dauerschleife meldet:

Die Person, die Sie zu erreichen versuchen wird verdächtig Drogen zu vertreiben. Um zu verhindern, dass Sie Drogen kaufen oder durch das Angebot an Drogen zum Drogenkonsum verführt werden, haben wir Ihren Anruf umgeleitet. Ihre Telefonnummer und die Zeit des Anrufs werden aufgezeichnet. Die Daten werden vorraussichtlich nicht zur Strafverfolgung wegen Besitzverschaffung verwendet.

Gegner dieser Maßnahme würden einwenden, dass das gegen den echten Drogenkonsum nicht hilft, weil man ja in alten Telefonbüchern oder bei Telefonbüchern im Ausland nach der korrekten Nummer des Dealers suchen kann. Stattdessen werden Menschen des Drogenkonsums verdächtigt, welche Herrn Müller-Meier-Schmidt wegen dessen Rasenmähersversandts anrufen, oder bei der Suche nach  Müller-Meyer-Schmitt die falsche Nummer herrausgesucht haben.

Auch würden die Gegener dieser Drogenszene-Kontakt-Erschwerungs-Sperre einwenden, dass Persönlichkeitsrechte von Unbeteiligten verletzt wären, z.B. wenn Unschuldige auf dieser Sperrliste landen würden. Auch würde eingewandt, dass der Eingriff in die persönlichen Freiheitsrechte so umfassend ist, dass ein Richter über die Aufnahme auf die Sperrliste entscheiden sollte.

Kenner der Szene würden vielleicht noch erwähnen, dass telefonische Drogen-Lieferservices wegen der hohen Entdeckungsgefahr eher unüblich sind. Die harten Substanzen würden eher in Peer-to-Peer-Netzwerken und in geschlossenen Nutzegruppen, wie in Discos, gehandelt.

Aber in dieser Debatte ging es nicht um harte Drogen, sondern um das deutlich emotionalisierbarere Thema „sexueller Kindesmissbrauch“. Zudem sind die Eingriffe in die Struktur des Internets leider nicht so offensichtlich, wie die oben angeführten hypothetischen Eingriffe in das Telefonnetz.

viele Grüße
Christian Bahls

dieser Text ist für nichtkommerzielle Nutzung frei

PS: Wer möchte, kann diesen Artikel gerne auch weiterzwitschern.

PPS: genuineBen hat Recht, diesen Text versteht wahrscheinlich auch die Oma, Um die Verbreitung zu fördern, ist dieser Text für nichtkommerzielle Nutzung gemeinfrei. Ansonsten bitten wir um Namensnennung (MOGiS), mit Verweis auf http://mogis-verein.de.

6 Antworten zu “Die Sperrlogik einmal angewendet auf Drogenproblematik

  1. Beim Telefon gibt es doch die Vorratsdatenspeicherung, wer wen wann anruft wird doch schon gespeichert.

    (Christian: Eines voraus: bloß weil es die Vorratsdatenspeicherung schon gibt, heisst es nicht, dass es sich dabei nicht um eine enorme Grenzüberschreitung handeln würde. .. davon ab möchte ich bezweifeln, dass die Deutsche Bevölkerung sich ein Fälschen von Telefonbüchern oder die Unterbindung von Telefonaten zu bestimmten Personen gefallen lassen würde .. Obwohl .. Man kann ja auch ernsthaft die Bundeswehr im Inneren fordern .. Also: Wer weiss)

  2. Gut erklärt, jetzt müsste man nur noch erreichen, dass sich die breite Öffentlichkeit mit diesem offensichtlichen Problemen bei den Sperren beschäftigt. Leider habe ich (zumindest in meinem Umfeld) die Erfahrung gemacht, dass Bürger, die sich weniger mit der Internetproblematik beschäftigen, dass das ja alles „gar nicht so schlimm“ sei, denn sie würden ja ohnehin niemals solche Seiten aufrufen. Und das es doch vernünftig ist, etwas „gegen“ solche Auswüchse zu unternehmen… Es scheint also eine ähnliche Resistenz gegen vernünftige Argumente zu geben, wie sie unsere Politiker bereits aufgebaut haben. Ist das wirklich so schwer zu verstehen und nachzuvollziehen?

  3. Pingback: Internetsperren - MOGiS geben nicht auf - Euregio-Aktuell.EU

  4. Leider hat der Trackback nicht funktioniert, deshalb per Hand:

    „Familienministerin von der Leyen (CDU) hält unbeirrbar an den Internetsperren fest und wird nicht müde, das Thema für den Wahlkampf auszuschlachten. Den Protest und die Kritik von Opferverbänden wie MissbrauchsOpfer Gegen InternetSperren (MOGiS) oder Trotz Allem e.V. ignoriert sie hartnäckig, an einem Treffen ist sie nicht interessiert.“
    http://www.euregio-aktuell.eu/archives/8064-Internetsperren-MOGiS-geben-nicht-auf.html

  5. Schöne Umschreibung, nur zwei kleine Stolperer: erstens ruft ja niemand Seiten mit Kinderpornographie auf, um dort einen Rasenmäher zu kaufen, der Vergleich klingt unlogisch.
    (Christian: es geht um die gehackten Seiten von Leuten, auf denen zwischenzeitlich von bestimmten Leuten solche Inhalte geparkt wurden ..
    die inzwischen aber wieder entfernt wurden, aber nicht zu einer herunternahme von der Liste geführt haben)

    Aber zweitens könnte sich am Telefon jemand einfach vertippt haben, dieser Vergleich fehlt noch. Aber sonst? Chapeau!

  6. @Fischkopp:
    Wie wäre es, wenn Myller-Meyjer-Lejmann-Shultze Rasenmäher, -ersatzteile und -zubehör feilhält, aber auf Zuruf eines Kennwortes (wie beispielsweise: „ich will dieses Jahr nach Kolumbien, deswegen frage ich Sie, schneit es dort auch schön?“) erwähnt MMLS gewisse hydrochlorierte Extrakte einer Erythroxylum-Art oder Blütenharze fingerblättriger Kräuter.

    Ansonsten: großartige Versinnbildlichung für den Bildleser und andere Besitzer ungefurchter Hirne

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