Und wenn auch nur ein Kind gerettet wird

Die offizielle Webseite von MOGiS e.V. ist http://mogis-verein.de/

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„Und wenn dadurch auch nur ein Kind gerettet wird, dann bin ich dafür“, ist ein Satz, den man von Politikern in den nächsten Wochen noch häufig hören wird.

Natürlich, ist ja auch klar, wer möchte denn jetzt, zumal so mitten im Vorwahlkampf, als jemand dastehen, dem es für das Leben eines einzelnen Kindes nicht wert ist einige Grundrechte einzuschränken?

Die Frage die sich aber stellt, ist die, ob überhaupt ein kausaler Zusammenhang zwischen dem Einrichten einer geheimen Liste von zu sperrenden Seiten im Internet und der Verhinderung sexuellen Missbrauchs im realen Leben besteht.

Das erste, was man in diesem Zusammenhang erwähnen sollte, ist, dass allgemein die Fallzahlen zu sexuellem Kindesmissbrauchs über die letzten Jahre im Sinken begriffen sind. Die Anzahl der von der Polizei registrierten Straftaten zum sexuellen Kindesmissbrauch haben sich von 15.998 im Jahr 2002 auf 12.772 im Jahr 2007 reduziert.

Die Anzahl der Straften schwerer sexueller Kindesmissbrauch zur Herstellung und Verbreitung kinderpornographischer Schriften hat sich in diesem Zeitraum von 206  auf 103 Fälle halbiert, zudem hat sich dabei die Opferzahl von 256 im Jahr 2002 auf 120 im Jahr 2007 sogar mehr als halbiert!

Dabei ist zudem auch noch die Aufklärungsquote von 80 auf 89 Prozent gestiegen!

Alleine schon dies sollte deutlich zeigen, dass konventionelle Polizeiarbeit und eine konsequente Ächtung dieser Inhalte wirkt!

Wem dies aber noch nicht genügt, der mag vielleicht folgenden Gedankengang nachvollziehen:

Der sexuelle Missbrauch von Kindern passiert in über 50% der Fälle im Verwandten- und Bekanntenkreis. Bei den Fällen sexuellen Missbrauchs zur Herstellung und Verbreitung kinderpornographischer Schriften sind es sogar 70%. Das Opfer und der Täter/die Täterin kennen sich also in der Regel persönlich.

Warum sollte der Täter/die Täterin jetzt darauf verzichten das Kind zu missbrauchen, weil die dabei entstehende Dokumentation dann etwas schwieriger im World-Wide-Web verfügbar ist?

Es gibt andere, deutlich sicherere Vertriebswege (z.B. DVD von Hand zu Hand, Filesharing über P2P, MMS über Telefon, generell alle nichtöffentlichen Vertriebswege), warum sollte die etwas veringerte Anzahl an potentiellen Konsumenten im Internet verhindern, dass dieser Mensch das Kind missbraucht?

Die Behauptung, dass diese Form von Kindesmissbrauch market-driven, also auf Nachfrage basierend, wäre, hat auch noch niemand belegt!

Zudem ist es ja wohl so, dass man eine solche Tat doch nicht einfach mal so begeht: Zu solchen Handlungen muss man erst mal fähig sein!

Dieser, höchstwahrscheinlich, mit dem potentiellen Opfer bekannte Mensch, der mental in der Lage, und Willens, ist ein Kind zu missbrauchen, wird jetzt darauf verzichten dies zu tun, weil ihm eventuell ein paar Menschen weniger dabei zuschauen?

Christian; Vorstand MOGIS

Creative Commons License Dieser Artikel wurde von uns für kommerzielle Nutzungsarten(Zeitung,..) mit der Creative Commons Attribution 3.0 Germany License lizensiert, wir bitten also darum, wenigstens mit dem Namen des Vereins und einem Verweis auf die Vereinswebseite zitiert zu werden... Zur privaten Nutzung ist dieser Text sogar gemeinfrei, er gehört sozusagen bereits Ihnen :)

PS: Der Artikel: „Wovon reden wir in dieser Debatte eigentlich?„, bietet sich zum weiterlesen an!

Achso, diese Seite auch weiterzwitschern?

19 Antworten zu “Und wenn auch nur ein Kind gerettet wird

  1. Hmmm… ist in meinen Augen irgendwie das selbe wie beim Terrorismus. „Und wenn dadurch nur ein Terroranschlag verhindert wird“ oder „Stell dir vor, es wären deine Eltern/Freunde/Kinder/dein Partner… die bei einem Anschlag sterben“ sind ja auch in diesem Kontext gern genommene Argumente. Wobei dann auch verschwiegen wird, dass Grundrechtseinschränkungen weit größere Risiken bergen und außerdem herkömmliche Polizeiarbeit und Prävention im Sinne von „Leuten helfen, nicht kriminell zu werden“ weit effektivere Schutzmaßnahmen werden. Gerade, wo Du das so aufzeigst, finde ich die Parallelen sehr deutlich.

    Christian:
    Ja .. ich überlege jetzt schon seit über einer Woche, wie ich das geeignet ausdrücke ..
    Grundrechtseinschränkungen führen ja über kurz oder lang in ein totalitäres Regime: „Niemand hat vor eine Mauer zu errichten“ ..
    Solchen Regimes geht es üblicherweise nicht so gut (also den Bürgern eines solchen) .. Sie sind ineffizient wegen der unterdrückten Meinungsäußerung (Verbesserungsvorschlägen z.B.)
    Über kurz oder lang kommt es zu Unruhen .. dabei werden im schlimmsten Fall Leute verletzt/getötet .. davon mal abgesehen, dass es Ihnen schon vorher nicht so gut geht ..

  2. Ja, dazu hat Bruce Schneier ein paar sehr intelligente Sachen geschrieben. Du solltest einmal „Beyond Fear“ lesen… oder für den Anfang diesen Artikel hier http://www.schneier.com/blog/archives/2008/01/security_vs_pri.html und, wenn ich so vermessen sein darf, meinen Kommentar dazu: http://freiheitblog.wordpress.com/2008/01/30/privacy-vs-security-divide-et-impera/

    Ich jedenfalls fand Schneier damals sehr hilfreich beim Bewerten dieser Dinge.

    (Christian: Mache ich! :) .. jetzt tue ich aber erst mal etwas gegen meine Kopfschmerzen :) .. wenn ich nicht darüber schreibe, also hier oder bei mir, dann kannst Du mich ja nochmal d’rauf stoßen :) .. habe ’nen Kopp wie’n Sieb :))

  3. Pingback: Zensursula oder warum das der absolut falsche Weg ist « 30 Kilo

  4. Wenn Kinder gerettet werden sollen, könnte man auch die Subventionen abschaffen, die den Agrarmarkt in Afrika kaputt machen, dann könnten afrikanische Familien von ihrer Hände Arbeit leben, ihre Kinder zur Schule schicken damit diese stark werden und nicht als Kindersoldaten mißbraucht werden oder einfach so verhungern.

    Durch die Subventionierung europäischer Agrarprodukte sind diese in Afrika nämlich billiger, als die in Afrika selbst erzeugten, was dort die Märkte kaputt macht, wodurch die Menschen verhungern weil niemand mehr die einheimischen Sachen kauft. Wenn die Bauern dort nichts verkaufen, fehlt ihnen das Geld, um die europäischen Produkte kaufen zu können.

  5. schwarzefeder

    …und was (!) machen diejeneigen von den kranken Menschen, die nichtmehr schnell auf ne Internetseite surfen können um ihren pädophilen Trieb zu stillen… vielleicht schläft nebenan die kleine Enkelin…

    Bewirkt diese Scheisspolitik vielleicht das Gegenteil?!?

  6. Was ich gerade an die Bundestagsabgeordneten meines Wahlkreises Hof geschickt habe (als Teil einer längeren Mail):

    Familienministerin von der Leyen hat in einem Interview gesagt:

    Freiheit kann niemals auf Kosten der Unversehrtheit eines Kindes oder der Menschenwürde eines Kindes gehen.

    (ARD Nachtmagazin 18.04.2009 1:00 Uhr, Videoauschnitt unter
    http://www.youtube.com/watch?v=iV1Z27VOiSE )

    Im Jahr 2007 kamen über 100 Kinder im Straßenverkehr zu Tode, für 2008 und auch 2009 sind kaum andere Zahlen zu erwarten. Überträgt man nun von der Leyens obige Aussage in dieser Absolutheit auf Verkehrstote, so folgt daraus die Abschaffung des motorisierten Straßenverkehrs als geplante Maßnahme der Familienministerin. Offensichtlich absurd.

    Rational betrachtet ist es dagegen Fakt, daß wir, gesellschaftlich akzeptiert, Leben und Gesundheit von Menschen dafür opfern, gewisse
    Freiheiten zu haben, wie eben z.B. die Freiheit des Individualverkehrs und die Möglichkeit, elektrischen Strom nutzen zu können. Das (brutal ausgedrückt) Kosten/Nutzen Verhältnis ist einfach zu gut.

  7. Pingback: Hugelgupf » Blog Archiv » Linksammlung: KiPo-Netzsperren-Diskussion [UPDATE 21 03.05.09]

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  15. Pingback: Folge 18: Die drei Vogonen und der Anfang vom Ende | Die drei Vogonen

  16. Man sollte doch auch fordern, alle Fenster zu vergittern in Deutschland. Wenn dadurch nur ein Kind gerettet wird…

  17. Pingback: In einfachen Worten… - stefan.waidele.info

  18. Seit bestehen der „freiheitlich demokratischen Grundordnung“ ist festzustellen, dass das Verteidigen der „freiheitlich demokratischen Grundordnung“ mitunter so weit geht, dass durch das Verteidigen derselben selbst, diese bereits ausser Kraft gesetzt ist.

  19. Pingback: An die Kinder denken! « DavidBLN.de

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