Offener Brief an Frau Ministerin von der Leyen (ein Manifest) V2

Die offizielle Webseite von MOGiS e.V. ist http://mogis-verein.de/

(Wenn ich im Folgenden „Wir“ schreibe, dann meine ich nicht nur MOGIS, sondern schließe damit auch generell diejenigen ein, die Bedenken an den aktuell diskutierten Plänen haben (schließe also die 10.000 Besucher der letzten Woche mit ein))

Liebe Frau Ministerin von der Leyen,

Sie haben am Freitag auf der Pressekonferenz im Bundespresseamt von den Beschwernissen durch einen organisierten Widerstand gesprochen.

Dazu möchte Ich Ihnen nur eins antworten: Wir sind noch gar kein organisierter Widerstand!

Das, was sie jetzt schon als organisierten Widerstand wahrnehmen, sind in Wirklichkeit bisher die Bedenken einer Menge besorgter Bürger und Bürgerinnen, die relativ unabhängig voneinander ihre Zweifel äußern; es sind genau jene Bedenken über die Sie gerade so leichtfertig hinwegzugehen belieben!

Die Politik darf aber nicht aufhören sich zu erklären. Wenn Politik aufhört sich im Dialog zu legitimieren, dann untergräbt sie die Basis des demokratischen Rechtsstaats. Auf diese Art und Weise wird langfristig der Bestand der Bundesrepublik Deutschland gefährdet!

Diese „Basta-Politik“, dieses „über die Köpfe der Bürger und Bürgerinnen hinweg regieren“, war schon unter der Regierung Gerhard Schröders schwer zu ertragen!

Wir sind doch keine kleinen Kinder! Jeder Bürger, jede Bürgerin hat seine oder ihre spezifischen Expertisen, die können sie doch nicht so einfach ignorieren. Die Politik schneidet sich so vom Wissen der Bevölkerung ab. Synergieeffekte, wie sie in gleichberechtigter Kooperation entstehen, werden so behindert.

Im WorldWideWeb entsteht seit mindestens einem Jahrzehnt so etwas wie ein globales Bewusstsein. Diesem würden Sie mit der Umsetzung Ihrer Pläne einen schweren Einschnitt verpassen!

Die Politik zeigt sich besorgt über die Politikverdrossenheit des deutschen Volkes, ignoriert aber die direkt unter ihren Augen entstehende Kultur des Betreibens von Weblogs, kurz Blogs. Da entsteht gerade eine neue demokratische Kultur!

Diese Web-Tagebücher leben geradezu von ihrer Vernetzung, deswegen müssen Blogger sich trauen können Verweise, so genannte Links, auf andere Inhalte, zu setzen und auch zu empfangen.

Viele Angebote zeigen ihre volle Entfaltung erst, wenn sie durch Links in ein größeres Netz aus anderen, ergänzenden, Information eingebunden sind. Gerade die gefühlte Gefahr beim Anbieten eines Links hat aber, auch durch die unsachlichen Diskussion der letzten Jahre, erheblich erhöht!

Mit den DNS-Umleitungen wird jetzt sogar das Klicken eines Links zu einer gefühlten Bedrohung: „Wie viele Stopp-Seiten darf ich diesen Monat wohl noch sehen, bevor mich das BKA abholt?“.Zudem man auch nicht vorher wissen kann, wohin ein Link, dem man folgt, führt. Das erzeugt Angst. Da entsteht eine Schere im Kopf: „Tu ich das jetzt und informiere mich was dort für Inhalte sind, oder mache ich das lieber nicht?“

Das ist es, was wir als Einschränkung empfinden. Wir kommunizieren dort. Viele Menschen verbringen einen großen Teil ihres sozialen Lebens im Internet.

Gerade für Missbrauchsbetroffene ist es nämlich häufig hilfreich, anonym und ohne Angst bloßgestellt zu werden, relativ frei über den erlittenen Missbrauch reden zu können. Es hilft!

Sie nehmen auch uns, den Missbrauchsbetroffenen, das Gefühl der Sicherheit im Netz. Sie geben uns das Gefühl etwas Verbotenes zu tun, wenn wir anonym im Internet unterwegs sein wollen. Denn auch dafür müssten wir Ihre Zugangserschwerungen umgehen!

Sollen wir nun also diese Pest aus Scham, Ärger und Wut für immer in uns behalten? Wo sollen denn die ganzen Therapeuten herkommen um uns sonst zu begleiten?

Wer traut sich denn schon, frei über Missbrauch zu reden oder seine Sorgen in sein elektronisches Tagebuch zu schreiben, wenn er dabei überwacht werden könnte?

Das die Hintergründe, warum Wir für Meinungs- und Rezipientenfreiheit, für das Fernmeldegeheimis und, unserer eigenen Ohnmacht bewusst, für die Rechtsweggarantie kämpfen!

Das sind die Gründe, warum wir diese Manipulation am Domain-Name-System verurteilen,warum wir eine Vorratsdatenspeicherung ablehnen, warum uns das neue BKA Gesetz solche Angst macht.

Ganz allgemein geht es uns um die Wiederherstellung einer Rechtsstaatlichkeit, welche sich durch Anerkennung von Grundrechten, der Verhältnismäßigkeit bei ihrer Einschränkung und einer funktionierende Gewaltenteilung auszeichnet!

Diese Bedenken belieben Sie ja gerade in der aktuellen Diskussion so beiläufig beiseite zu wischen. Auch gerade indem Sie mit dem Leid der (auch potentiellen) Opfer Stimmung machen!

Ich kann verstehen, dass Sie das WWW nicht als dynamisch wahrnehmen. Ich kann verstehen, dass für Sie das WWW ein Presseerzeugnis ist, schließlich werden Sie in Ihrer Funktion viele Webseiten überhaupt nur ausgedruckt zu sehen bekommen.

Aber Ich möchte Sie wirklich darum bitten, sich, vielleicht auch gerade von Ihren Kindern, ein paar neue Webangebote vorführen lassen.

Lassen Sie sich bitte zeigen, wie junge Menschen Inhalte tauschen, sie neu zusammenstellen, mit manchmal überraschenden Effekten.

Das Internet ist kein großer Pornotauschring. Stattdessen können Sie im Internet vielen Leuten bei der Kreation wunderbarer Inhalte zuschauen!

In jeder Stadt gibt es schmutzige Ecken, dort wäre es dann angemessen, die Polizei etwas häufiger vorbeizuschicken.

Aber was Sie gerade in Deutschland umsetzen entspricht eher dem Szenario: ein Polizist pro Bürger, dies im wörtlichen Sinne, wegen der Möglichkeiten moderner Technik, aber auch gerade wegen der Zensur im Kopf „Mach ich das jetzt, oder lieber doch nicht?“

Eine Art „Große Mauer“, das ist es, was sich manche Politiker unter „Kontrolle des Internet“ vorstellen. Und diese Politiker sagen das sogar öffentlich. Sie lassen es sogar verschriftlichen!

Diese Leute sitzen auch und gerade in Ihrer Partei! Es ist auch Ihre Koalition der Willigen!

Wäre es nicht anstatt dieser unglaublich gefährlichen Symbolpolitik angebracht:

  • Den Opfern echte Hilfe anzubieten?
  • die Dunkelziffer bei Straftaten gegen die sexuelle Selbstbestimmung zu verringern?
  • Die Täter zu verfolgen, anstatt nur der von ihnen verbreiteten Inhalte?
  • Den Pädophilen, die unter Ihren Neigungen leiden, durch Therapie helfen keine Täter zu werden?
  • Kinder stark zu machen, sodass sie gar nicht die Schwachstellen haben, die Täter benutzen um sich Ihnen zu nähern?

Treten Sie bitte wieder mit Ihren Kritikern in einen konstruktiven Kontakt!

In diesem Sinne verbleibe ich,

mit freundlichen Grüßen

Ihr Christian Bahls

(PS: Ich möchte Sie wirklich eindringlich bitten, mal auf baidu.cn zu gehen, der großen chinesischen Suchmaschine. Suchen Sie dort bitte mal erst nach was völlig unverfänglichem, wie zum Bespiel: „guandong“ und dann mal testweise nach „falun gong“. Oder lassen Sie suchen, wie auch immer. Ich möchte es hier nur mal ganz kurz zusammenfassen: es ist nicht Ihr Internet, das da kaputt ist!)

(Das ist mir am Freitag so richtig klar geworden: Wir müssen die Leute erreichen, die kein oder nur eingeschränkt Internet benutzen. Das heißt entweder wir (wobei ich alle Internetbürger miteinschließen möchte) schaffen es um 20:00 Uhr zu den Abendnachrichten in’s Fernsehen .. oder Wir bringen eben eine Art Manifest in die Zeitung .. das zweite ist realistischer denke ich. Wer also dieses Ziel teilt: Abstimmen, Verlinken und Weitersagen :) )

(Alternativplan: jeder der möchte kann diese Seite wenigstens 2-3 mal ausdrucken und Freunden ohne E-Mail-Adresse einfach so zum Lesen geben .. alle anderen habt Ihr ja hoffentlich schon per E-Mail hierher: http://mogis-verein.de/ein-offener-brief/ verwiesen :) .. Wenn diese Bekannte Abgeordnete des Bundestages sind -> Um so besser)

(Wer dazu beitragen kann, dass der Druck passiert, schickt bitte eine E-Mail an Uns :) .. Ein Betreff in der Art: „Hilfe zum Brief“ macht Uns die Arbeit leichter :)

29 Antworten zu “Offener Brief an Frau Ministerin von der Leyen (ein Manifest) V2

  1. Sehr gut…
    http://www.zeit.de/online/2009/17/netzsperren-missbrauch

    Wo stehen die Sever denn…

    Ich könnt das mit ein paar Mollis regeln… >:-))

    Mlg

  2. Was mir beim Drüberkucken über den Text aufgefallen ist:

    Tippfehler: „globals“ -> „globales“
    „ensteht“ -> „entsteht“
    „verschrifftlichen“ -> „verschriftlichen“

    Warum wird „Wir“ und „Ich“ immer groß geschrieben?
    (Christian: So eine Macke von mir .. wenn ich das versuche einzuschrenken,
    werden meine Texte richtig Scheiße)

    „Der Ausdruck hatte einen Post-It-Sticker bekommen, nachdem ich telefonisch nochmals energisch auf abuse.txt hingewiesen hatte!“
    Was soll der Satz?
    (Christian: Jupp .. viel zu konkret, für dass, was man so’nem Text alles anfangen könnte :))

    Der Absatz über baidu wird nur verständlich, wenn man sich tatsächlich bequemt, im Internet nachzusehen, was für die meisten Spitzenpolitiker einen ziemlichen Aufwand bedeutet (Mitarbeiter beauftragen, auf Ausdruck warten, versuchen zu begreifen, um was es geht…).
    Im Zweifel würde ich ihn weglassen, da sowieso geantwortet werden würde, daß es ja gar nicht um eine Zensur geht etc. blabla.
    (Christian: Hast Du auch Recht :))

    (Danke für die Mühe :))

  3. Vielleicht die Rolle des Internets als Medium zum demokratischen Austausch/zur Information/zur Meinungsbildung noch etwas mehr herausarbeiten? Nur ein Gedanke, ich persönlich fände das passend und wichtig (und auch argumentativ vielleicht ganz wirksam), aber es ist letztendlich natürlich Deine Entscheidung.
    (Christian: Danke, hatte auch schon so eine Idee .. Gerade auch durch Blogs und diese Vernetzung wird der Bürger neben der Presse so eine Art fünfte Gewalt im Staat, ob sie das wollen ist dann aber eine andere Frage :( )

    Du verwendest sehr viele Ausrufezeichen, das stört unter Umständen den Lesefluss etwas.
    (Christian: Welche stören denn den Lesefluss am meisten?)

    Wenn die Politik aufhört sich im Dialog zu legitimieren, dann untergräbt Sie die Basis des demokratischen Rechtsstaats! -> „sie“ klein, ist ja hier keine Anrede.

    Ich hoffe, das war jetzt nicht zuviel Kritik. An sich finde ich den Text nämlich sehr gut, noch „schlüssiger“ und argumentativ klarer als die erste Version.

    (Christian: Och danke .. Nein, wunderbar so .. so hilft es gerade sehr :))

  4. Bezüglich der Ausrufezeichen: Gerade bei den längeren/komplizierteren Sätzen finde ich das nicht so ideal, z.B. bei „Das was sie jetzt schon als organisierten Widerstand wahrnehmen, sind in Wirklichkeit bisher die Zweifel einer Menge besorgter Bürger, die relativ unabhängig voneinander ihre Bedenken äußern!“ Bei einigen der kurzen Sätze, die prägnante „Statements“ darstellen, passt es dagegen gut.
    (Christian: Ist das jetzt besser so? .. man kann ja noch etwas hobeln:))

    • Ausrufezeichen haben meiner Meinung nach in seriösen Texten sowieso nichts verloren.
      (Christian: ist es ein großes Problem für Dich, wenn ich eine solcherart unkonstruktiv vorgetragene Kritik, mehr oder weniger, komplett ignoriere?)
      (Nachtrag Christian: es soll auch gar kein seriöser Text in dem Sinne werden, es soll ein sehr persönlicher Brief von Betroffenen sein)

      • ’tschuldigung, dass ich meine Meinung geäußert habe.
        (Christian: es ist einfach der Ton, der die Musik macht.
        Die anderen Menschen haben Gefühle!)

  5. Wichtig ist, dass man es tut! Wenn jeder schreiben würde, diese Flut von Briefen kann keiner ignorieren! Also sendet Mails und Postbrief.
    (Christian: Danke für diesen Aufruf.. aber vielleicht lieber die Emails mit Texten von hier oder hier füllen. Ich würde im Moment darum bitten, diesen Brief erst mal hier im Weblog zu belassen. man sollte sein Pulver nicht zu früh verschießen, denke Ich :-/)

  6. Hi,

    ich muß Dirk leider uneingeschränkt zustimmen.

    Ausrufenzeichen helfen in den seltensten Fällen. In meinen 15 Jahren Ausbildung und Beruf habe ich in noch keinem Fachaufsatz oder Schriftsatz ein „!“ erblickt (es sei denn von Nichtjuristen) – und dabei streiten ja grade wir Juristen uns gerne wie die Kesselflicker. Aber ansonsten ist der Text schon sehr gut.

    (Christian: Naja .. ist ja auch kein Fachaufsatz .. ist eher ein Manifesto .. werde mal mit jemandem von ’ner Zeitung darüber reden, was machbar und angemessen ist .. Ich benutze Interpunktion um den Rhythmus vorzugeben .. wenn der noch nicht stimmt arbeite ich gerne daran .. :))

  7. Hallo zusammen,
    habe grade ein paar Anmerkungen per Mail geschickt. Hoffe, sie können weiterhelfen.
    M.

  8. Pingback: Yes, we can too! « MissbrauchsOpfer Gegen InternetSperren

  9. hallo,

    Ich glaube, der Brief beginnt mit einem Missverständnis: in einem Radiogespräch (auch auf der ARD-Mediathekseite) bezeichnet von der Leyen die Pornoindustrie als organisierten Widerstand. Ja, auf der Pressekonferenz kam das nicht so an…aber ist vllt. demotivierend am Anfang?
    (Christian: Eigentlich sagst Du es genau: ‚auf der Pressekonferenz kam das nicht so an‘ .. sie meint doch auch uns .. und diffamiert uns indirekt as Pornographen [gleich jedweder Art] und macht zudem noch ’ne ganz fiese Form von Manipulation, ala ‚Nein, Euch meinte ich doch gar nicht, also nicht, wenn Ihr nicht gegen Sperren seit‘ .. Das ist die freundliche Variante von: ‚Bist Du nicht Für mich, dann bin Ich gegen Dich‘)

    Aber jetzt noch nen neuen Anfang zu finden ist natürlich scheisse.
    (Christian: siehe oben .. brauchen wir nicht .. Sie meint Uns (die Netzbürger), die diese Grundrechtseinschränkungen jetzt nicht hinnehmen wollen)

    Nur, der Gewaltgedanke hat sich bei mir auch eingestellt…
    (Christian: Das ist die Wut, die Ohnmacht .. Die führt zu Gewalt ..
    .. deswegen hilft es auch nicht gegen etwas zu sein
    .. man muss für etwas sein, ein Ziel haben, deswegen:
    .. MOGIS ist _für_ ein zensurfreies Internet)

    Unterschriftenliste fänd ich gut, spricht was dagegen?
    (Christian: dauert mir zu lange .. direkte Aktion ist gerade gefragt
    .. Also: Bekannte ansprechen – Politiker – Journalisten
    .. sich Mühe geben .. mit Ihnen in Ruhe reden .. Ihnen Zeit geben zu verstehen ..
    .. sich vernetzen .. Stärke demonstrieren!)

    (Christian: Unterschriftenlisten brauchen wir meines Erachtens,
    wenn das Kind in den Brunnen gefallen ist, wenn die Sperren
    also kommen und Wir sie dann wieder wegbekommen wollen,
    das ist für mich persönlich inakzeptabel ..
    dann fühle ich mich vergewaltigt, da macht jemand etwas mit mir,
    von dem ich nicht will, dass er es macht, Ich äußere Mein Nein deutlich ..
    Es wird ignorieren ..
    So richtig eklig wird das ganze, wenn dann der erste missliebige Inhalt
    gesperrt wird wenn man dann endlich merkt, dass es gar nicht um den
    ‚dokumentierten Missbrauch‘ ging,
    Dann tritt nämlich der Missbrauch an den Missbrauchsopfern so richtig
    zu tage.. Diese Instrumentalisierung menschlichen Leids wird dann
    so richtig klar)

    • Freiheit ist für uns, mit der deutschen Kultur, vielleicht etwas selbstverständliches geworden, wir sehen es kaum mehr.
      Aber es ist nicht selbstverständlich, siehe andere Gesellschaften und unsere Angst vor der Zensur. Freiheit muß ständig neu gewährt werden!!!
      (und verteidigt, Anmerkung Christian)

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  14. Die Aussage des Briefes ist wichtig, die Rechtschreibung steht für Sorgfalt. Diskusionen um Satzzeichen (außer „,“) amüsieren die Gegner,
    (Christian: hier geht es um Demokratie, die wir hier im Weblog
    auch leben müssen, sonst werden wir wie unsere Antagonisten)

    denn ob (und wieviel) Gehör (Aufmerksamkeit) dem Brief im Ministerium gewährt wird (und dort soll er ja etwas bewirken) hängt m.E. neben dem fundierten Inhalt auch von der Untermauerung (vielleicht doch Unterschriften, prominente Personen / oppositionelle Mandatsträger gezielt ansprechen) ab.
    (Christian: das Ministerium hört schon lange nicht mehr zu! .. Die ziehen das jetzt durch .. Die Intention ist eine andere .. dazu später mehr)

    Die vielfalt der Abstimmungsmöglichkeiten führt zwar zu detaillierteren Ergabnissen, könnte aber den Normaluser eher „abschrecken“.
    (Christian: Ach, denke ich eher nicht .. die Nutzer haben ja die Freiheit nicht abzustimmen:))

  15. Üblicherweise enthält sich die Freimaurerei der Tagespolitik. Im Angesicht der Tatsache, dass hier nun aber in zunehmendem Maße grundlegende Freiheitsrechte beschnitten werden sollen, nimmt sich insbesondere die von Frankreich ausgehende liberale Freimaurer zu Wort:

    Der Vorsitzende der Freimaurer-Loge Phoenix im SGOvD teilt uneingeschränkt die hier geäußerten massiven Bedenken, insbesondere die des Datenschutzbeauftragten Weichert. (Veröffentlicht über den Twitter-Account http://twitter.com/Freimaurerei – Kontaktinformationen auf https://www.sgovd.org/ )

    Schon in der Geschichte war es ein überzeugter Demokrat und Freimaurer, Marquis de La Fayette, der aus eigenem Antrieb 1789 nach amerikanischem Vorbild eine Erklärung der Menschen- und Bürgerrechte in die neue Nationalversammlung einbrachte. In die Freimaurerei aufgenommen wurde er in Gegenwart des Freimaurers George Washington in eine militärische Freimaurerloge in Morristown.

    1775 fand der Grand Orient de France in einem Rundschreiben die Worte: „Das Gesetz ist der Ausdruck des Willens der Allgemeinheit!“

    Später waren in Deutschland alle Veröffentlichung des Freimaurers Heinrich Heine der Zensur unterworfen. In seinem Buch „Le Grand“ unterlief er diese satirisch mit den Worten:

    Die deutschen Censoren —— —— —— —— ——
    —— —— —— —— —— —— —— —— —— ——
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    —— —— —— —— —— —— —— —— —— ——
    —— —— —— —— —— —— —— —— —— ——
    —— —— —— —— —— Dummköpfe —— ——
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    —— —— —— —— —— —— —— —— —— ——
    —— —— —— —— —— —— —— —— —— ——
    —— —— —— —— ——

    Die Freimaurerei fordert den Einzelnen auf, nach bestem Wissen und Gewissen sich persönlich für seine Überzeugungen einzusetzen und so hat das Motto „Freiheit – Gleichheit – Brüderlichkeit“ noch heute ihren Platz im Ritual und den Dokumenten der liberalen Freimaurerei.

    Oder wie es der Freimaurer Benjamin Franklin formulierte:

    Those who would give up Essential Liberty to purchase a little Temporary Safety, deserve neither Liberty nor Safety.

  16. Für einen offenen Brief, insbesondere mit dem Ziel einer Veröffentlichung in einer Zeitung, enthält der Brief zu wenig Grundinformation. Es muss vorab darauf eingegangen werden, worum es geht, es muss (zumindest kurz) auf die grundlegenden Probleme der Netzsperren eingegangen werden. Einige (detailreiche) Ausführungen im Mittelteil könnten dafür entfernt werden, um die Botschaft ein bisschen „knackiger“ rüberzubringen.
    Eine Unterschriftenliste sehe ich als unbedingt notwendig an. In diesem Zusammenhang muss aber klargestellt werden, dass die Unterzeichnenden nicht alle Missbrauchsopfer sind, sondern dass sich unter den Unterzeichnern _auch_ Missbrauchsopfer befinden.
    (Christian: das sollte eigentlich der Header klar machen .. naja .. ist vielleicht noch zu schwammig :))

  17. Die Idee einer Zeitungsanzeige finde ich gut, aber der Inhalt gefällt mir in dieser Form nicht:

    Die Bundesregierung wird sich zumindest nach außen hin nicht angesprochen fühlen, schließlich wollen sie „die Kreativität nicht einschränken, sondern nur Kinderpornografie sperren“.
    (Christian: Ja, aber eben auch alles andere, nicht zu vergessen, die chilling effects -> https://mogis.wordpress.com/datenschutz-ist-opferschutz/ )

    Stattdessen sollte man mehr auf die eigentlichen Kritikpunkte und Gefahren einer Zensur-Maßnahme und deren Wirkungslosigkeit eingehen. Die 13 Lügen der Zensursula könnten da hilfreich sein, der neue Gesetzentwurf bietet zusätzliche Angriffspunkte.
    (Christian: Das mit der Wirkungslosigkeit ist nicht hilfreich .. Als Zensurmaßnahme ist es wirkungsvoll .. Zur Einschränkung der Verbreitung von dokumentierten Missbrauch aber nicht .. dazu sollte man die Quellen versiegen lassen!)

    Dabei aber immer darauf achten, dass der Text nicht zu lang wird. Niemand liest gerne eine große Anzeige, die nur aus Fließtext besteht. Eventuell könnte man einige Wörter („ZENSUR“, „INTERNET“, …) ganz besonders hervorheben.
    (Christian: Ich denke nicht .. die Idee ist es eine positive Botschaft zu verbreiten .. Anti ist kontraproduktiv .. Die Leute wollen etwas _wofür sie sein können)

    Vielleicht könnte man auch weitere Organisationen (CCC, AK Vorrat, FoeBuD) die Aktion mittragen lassen?
    (Christian: Ja .. wäre schön .. Wir sind da offen :)

  18. Pingback: MissbrauchsOpfer gegen Internetsperren (MOGIS) | BlogSprache.de | "Zu Blog geschlagene Sprache."

  19. Pingback: Bits und so #143 (Chinawochen) | Bits und so

  20. Pingback: Der Kampf der Kulturen (Artikel netzpolitik.org) « MissbrauchsOpfer Gegen InternetSperren

  21. Solltet Ihr evtl. doch eine Annonce zur Zeitungsveröffentlichung schalten, gebe ich 50 € dazu, zu diesem Zweck (vielleicht auch für andere Unterstützer des Themas) bitte Kontoverbindung angeben.
    (Christian: Ja, wir müssen mal sehen .. natürlich wollen wir die eingenommenen Spenden nicht versteuern müssen .. da braucht es noch eines rechtlichen Konstruktes .. dafür haben wir im Moment leider keine zeit .. vielleicht lesen ja auch juristisch vorgebildete Personen diesen Blog :))

  22. Ich bin durch die n-tv sendung auf diese seite aufmerksam geworden und mich hat dein mut und grade deine „unpolierte“ Sprache (damit meine ich nicht ungehobelt, sondern eine natürlichkeit) angesprochen und zum nachdenken gebracht .
    sicher ist es gut auch von anderen ratschläge und tipps anzunehmen aber in diesem offenen brief steckt auch viel herzblut und ich hoffe das geht durch die ganzen verbesserungsvorschläge nicht verloren.
    (Christian: naja, ich beschütze mich ja bisher erfolgreich dagegen .. die konstruktiven Vorschläge fallen ins Herz .. das macht dann Spaß etwas zu ändern)

    Jede Aktion die diesen Brief verbreitet werde ich gerne mit einer Spende unterstützen.
    (Christian: an Spendenmöglichkeit müssen wir mal arbeiten .. )

    Hier zu ein Gedanke von mir (ob das machbar ist weiss ich nicht) :
    könnte man auch einen text für eine Plakatwand „gestallten“?
    Dann könnten sich kleine Gruppen die Miete für eine Plakatwand teile und lokal etwas zur aufklärung tun.
    (Christian: klar .. mach .. ich denke aber es würde helfen, wenn man den anfang des textes etwas umformuliert .. damit es auf den lokalen MDB passt .. damit er zum nachdenken bewegt wird .. man kann auch gerne -> http://mogis-verein.de/2009/04/20/eine-kleine-nachschulung-in-staatsrecht/ als Vorlage nehmen :))

    lieben gruss
    (Christian grüßt auch lieb zurück)

  23. Thorsten Schäfer

    Ich habe eine Idee , beteiligt euch bei diesem wichtigen Thema mit einem Blog auf Freitag.de.
    Auf euch bin ich durch einen Beitrag in Zapp 22.05.09 auf 3 Sat.

  24. Pingback: skweez.net — Freies Internet R.I.P

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