Da sich ja der Inhalt der Sperrliste in Deutschland eng an der norwegische Liste orientieren soll, haben Wir mal die Gelegenheit genutzt, und mit Hilfe von GeoIP die Server auf der norwegischen Sperrliste lokalisiert, und dann die Anzahl der Server pro Land (logarithmisch)farblich kodiert.
Dabei ergibt sich ähnlich wie bei scusi, folgendes Bild:

Herkunft der Einträge auf der norwegischen Sperrliste (Welt)
[US:1292, NL:146, CA:79, RU:75, DE:69, KR:62, PT:61, GB:54, CZ:37, SE:32, UA:15, JP:12, AU:11, HK:8, BZ:8, CN:6, BS:5, FR:4, PA:3, ES:3, DK:3, TW:2, BY:2, TR:1, TH:1, SK:1, RO:1, NO:1, MX:1, LV:1, IT:1, BR:1, AR:1; der eine Server in NO ist der TestServer von kripos.no]
Für Europa nochmals in höhere Auflösung:

Herkunft der Einträge auf der norwegischen Sperrliste (Europa)
Die Regierung behauptet ja nun die Inhalte auf diesen Servern nicht anders als mit DNS-Sperren verfolgen zu können. Um diese Aussage zu widerlegen haben Wir nun die Studie „Child Pornography: Model Legislation & Global Review“ (angefertigt im Jahr 2005 vom International Centre for Missing & Exploited Children), zu Rate gezogen.
Die Studie begutachtet die Rechtslage bezüglich dokumentierten Missbrauchs (Kinderpornographie) in den 184 Interpol-Staaten.
Wir haben nun die Liste der in der Studie erwähnten Länder nach folgenden Kriterien begutachtet:
- Gibt es eine Gesetzgebung welche Kinderpornographie verfolgt?
- Gibt es zusätzlich Straftatsbestände unter Einbezug eines Computers oder
- Ist schon der Besitz strafrechtlich verfolgbar?
(Diese Kriterien haben Wir so gewählt, da dann eine Aussicht auf eine erfolgreiche Verfolgung der Inhalte in diesen Ländern besteht.)
Es ergibt sich dann folgendes Bild:

Interpolstaaten in denen eine Verfolgung möglich ist (Welt)
(Wir haben die russische Föderation zur Liste der „sicheren Drittstaaten“ hinzugenommen, da im Rahmen der G8 eine Zusammenarbeit auf diesem Gebiet stattfindet)

Interpolstaaten in denen eine Verfolgung möglich ist (Europa)
(Naja, Weißrussland ist ja nicht nur in dieser Hinsicht ein Ausnahme)
Für diejenigen, die es interessiert, zeigt die folgende Karte in welchen Ländern überhaupt entsprechende Strafnormen existieren. (Kriterium 1)

Interpolstaaten in denen entsprechende Strafnormen existieren.
Die jeweiligen Listen der Länder finden sich hier und hier. (leider als PDF, WordPress ließ Uns keine TXT-Dateien hochladen)
19 Antworten bis hierher ↓
Jonathan // 14. April 2009 um 18:40 |
Bin mir nicht sicher, aber sind nicht in vielen arabischen Ländern pornografische Inhalte generell verboten? Müssten diese Staaten nicht auch markiert werden?
mogis // 14. April 2009 um 19:42 |
Hallo Jonathan,
Die zitierte Studie hatte noch einen Seitenaspekt:
wenn Kinderpornographie in dem Land geahndet wird,
dann sollte für die Kinder die Beteiligung auf jeden Fall straffrei sein,
in manchen Ländern werden auch die Opfer strafrechlich verfolgt
vielleicht ist das auch einer der Aspekte.
(Auch sieht man ja, dass von dort keine Inhalte kommen.)
Die Lage in den arabischen Ländern ist zudem häufig so,
dass Geschlechtsverkehr generell erst in der Ehe erlaubt ist.
(dann aber eben auch mit einer 12jährigen)
Die Kindheit, wie wir sie definieren, ist dort
nicht so im gesellschaftlichen Bewusstsein
verankert.
Auch sind Kinder dort eher in einem großen
familiären Umfeld eingebunden, Privatsphäre,
wie wir das kennen, gibt es da eher nicht,
man ist da einfach selten allein.
Wo kann Kinderpornographie verfolgt werden? » OpenWords - Raphael Mack // 14. April 2009 um 21:06 |
[...] kann verfolgt werden? Siehe MOGIS. (Kommentar schreiben) « Was ist Kinderpronographie? | [...]
Daten zur Verfolgung von Kinderpornografie; Initiativen gegen Netz-Zensur : netzpolitik.org // 15. April 2009 um 13:51 |
[...] sich mehrere Leute nochmal genauer die Gesetze in den verschiedenen Ländern angesehen. Eine Visualisierung mit Landkarten gibt es vom neuen Verein "Missbrauchsopfer gegen Internet-Sperren" (MOGIS), und Rochus [...]
Jonathan // 15. April 2009 um 14:19 |
Vielen Dank für die ausführliche Antwort!
datenhafen // 16. April 2009 um 06:32 |
Zensurliste und moegliche Strafverfolgung…
Noch mal im Zusammenhang mit der unsaeglichen Sperrliste, die ja nun die Tage durchgepruegelt werden soll. Ich hatte seinerzeit ja schon mal darueber geschrieben, dass es eine Auswertung gibt, wo die Server, die auf den Sperrlisten auftauchen, in Europ…
Gesetzesvorschlag Brandstiftung - bertdesign.de // 17. April 2009 um 09:51 |
[...] Löschen? Ach ne… [...]
Konzept der Internetsperre macht Schule | maYO's Weblog // 17. April 2009 um 17:56 |
[...] Löschen? Ach ne… [...]
superkato // 18. April 2009 um 04:22 |
hier gibts eine Anleitung und eine DNS Server Adressen Liste zum umgehen von DNS basierten InternetSperren:
http://www.superkato.net/2009/04/18/website-netz-sperren-umgehen-mit-dns-server-anderung-anleitung-fur-win-mac-linux-handy/
und
http://www.superkato.net/2009/04/18/ip-liste-von-frei-verwendbaren-dns-server-adressen/
(Christian: das BKA betreibt diese Listen? :) .. Naja, aber mal im Ernst, bitte die Serverstandorte prüfen, im Zweifelsfall jemanden fragen)
MissbrauchsOpfer gegen Internetsperren (MOGIS) | BlogSprache.de | "Zu Blog geschlagene Sprache." // 23. April 2009 um 03:44 |
[...] “Möglichkeiten der rechtlichen Verfolgung!“ [...]
Private Censorship in Germany « muellis blog // 23. April 2009 um 04:16 |
[...] roots would help. scusi analysed, where the blocked domains are actually hosted. It turns out, that pretty much every blocked domain is in a legislation that allows prosecution of child abuse. Including various servers in Germany! I [...]
Der Kampf nicht zum Instrument zu werden. | Gnafus Blog // 30. April 2009 um 11:26 |
[...] Eine Sache habe ich aber noch. Wenn man sich nämlich mal dieses Bild ansieht wird einem doch richtig übel. Hier sind auf der Weltkarte die Server mit Kinderpornoverdacht gezeichnet und je dunkler die Farbe ist, desto mehr Server gibt es in diesem Land. Wer noch die genauen Zahlen dazu haben will und auch noch detailiertere Karten, kann sich noch diesen Beitrag bei Mogis durchlesen. [...]
WeserWatch» Im Gespräch Politik & Soziales » Hans-Peter Thul (CDU) zum Gesetzesentwurf gegen Internet-Kinderpornographie // 5. Mai 2009 um 23:48 |
[...] und zur Rechenschaft gezogen, zumal die Server nicht in Dritte-Welt-Ländern stehen sondern direkt in unserer Nachbarschaft, nämlich in Europa und eine Strafverfolgung daher durchaus möglich wäre? Das Kabinett hat [...]
Pedition - Keine Indizierung und Sperrung von Internetseiten - Seite 3 - Forum Fachinformatiker.de // 6. Mai 2009 um 13:45 |
[...] haben die als Vorbild genommenen Sperrlisten aus Skandinavien praktisch nur Domains aus Ländern wo man dagegen vorgehen könnte? Ja, China gehört auch [...]
Wer kein Apfel ist, muß eine Birne sein - Ninas Schmierblo(g)ck // 14. Mai 2009 um 13:25 |
[...] in Ländern, in denen Kinderpornographie legal wäre, ist unhaltbar, wie Florian Walther sowie Mogis (ein Verein von Missbrauchsopfer, der gegen die Internetsperren kämpft, siehe auch hier) beweisen. [...]
Schutz oder Zensur (DNS-Sperren) « blog.chrugail.ch // 17. Mai 2009 um 17:59 |
[...] packen würden. Schliesst Kinderporno- und andere illegale Seiten (Der grössere Teil der in Norwegen gesperrten Domainnamen stehen übrigens in Staaten, die Gesetzte gegen Kinderpornographie haben), gebt den Laien ein [...]
Peter Heirich // 18. Mai 2009 um 20:06 |
Die Karten sind SO (wie sie sind) falsch und irreführend.
Hier lohnt ein Blick in die Rechtslage der früheren DDR (§§ 125 und 146 StGB-DDR)
Es gab in der DDR keine Spezialgesetzgebung für Kinderpornos !
Nach den Kriterien der Studie wäre die DDR ein Land in weißer Farbe gewesen.
Dort war Vertrieb,Herstellung usw. sämtlicher Pornografie verboten.
Die Besitzstrafbarkeit fehlte, dafür gab es eine Strafbarkeit der Besitzduldung bei Kindern und Jugendlichen.
Auch praktisch alle islamischen Länder verbieten, basierend auf der Shari’a Pornografie, die dort schon anfängt, wenn das Zeugs hier in D noch zwischen 02:00Uhr-06.00Uhr im freien Fernsehprogramm ausgestrahlt wird.
Der Iran, bei eurer Karte weiß hat offenbar schon an die Todesstrafe gedacht, wie
http://breaking-news.de/blog/2007/05/02/iran-porno-produzenten-droht-kuenftig-todesstrafe/
Auch die Darstellung von Weißrussland ist nicht m.W. richtig
http://www.belarusnews.de/2008/07/31/strafen-fuer-porno-und-prostitution-auf-dem-pruefstein/
benennt 4 Jahre bisher und 13 Jahre Haft als Ziel einer Strafrechtsreform.
» Und jetzt auch noch von mir: Ein Blogbeitrag gegen Zensur langhaarschneider.bloggt // 26. Mai 2009 um 17:19 |
[...] Link nicht mehr gefunden. Falls jemand nen Hinweis hat – ich bin dankbar! Was ich hier habe ist der Link zu Karten auf denen zu sehen ist wo Server mit Kinderpornoangeboten stehen. Ja, da ist auch Deutschland [...]
Gesetzesvorschlag Brandstiftung | bertdesign.de // 7. Oktober 2009 um 15:55 |
[...] werden gesperrtHinterhöfe & kleinere Wege fallen unter den TischLöschen? Ach ne…Genial, oder?(Parallelen zu aktuellem Tagesgeschehen sind rein [...]